Ich habe Angst, Frau Kägi

Ein Schüler fragte mich nach den Sportferien: «Frau Kägi, bricht jetzt der dritte Weltkrieg aus? Ich habe Angst!» – Was würden Sie auf diese Frage antworten?

Diese Frage trifft ins Schwarze. Sie zeigt die Sorgen unserer Kinder (und vielleicht auch von uns allen) – diese erdrückende Last der Weltgeschehnisse, die sich kaum einordnen lässt. Während wir Erwachsenen hoffentlich gelernt haben, Nachrichten zu filtern oder mit Abstand zu betrachten, prasseln sie auf unsere Kinder ungefiltert ein. Ob über Social Media, Nachrichten-Apps oder Gespräche in der Schule – die Informationsflut ist gewaltig.

Kinder erleben eine Welt, die sich in rasendem Tempo verändert. Gestern noch Unsicherheit, heute Krise, morgen ein neuer Schock. Kein Wunder, dass sich viele von ihnen hilflos fühlen. Was tun wir also als Eltern, Lehrpersonen, als Gesellschaft, um ihnen Halt zu geben? Es reicht nicht, ihre Ängste abzutun oder zu beschwichtigen. Ein «Mach dir keine Sorgen» klingt nett, aber hilft nicht. Stattdessen müssen wir die Nachrichten für sie einordnen, Zusammenhänge erklären und – ganz wichtig – Hoffnung vermitteln. Sie sollen wissen: Ja, es gibt Herausforderungen, aber es gibt auch Menschen, die Lösungen suchen, es gibt Diplomat:innen, die für den Frieden kämpfen, es gibt eine Gesellschaft, die sich für Gerechtigkeit einsetzt. Und auch sie selbst können Teil der Lösung sein.

Kinder brauchen nicht Panik, sondern Perspektiven. Sie müssen erfahren, dass sie die Welt mitgestalten können – und sei es noch so klein. Es beginnt mit Mitmenschlichkeit im Alltag, mit dem Einsatz für andere, mit der Entscheidung, sich für eine gerechtere Gesellschaft zu engagieren. Sie sollen spüren: Meine Stimme zählt, meine Handlungen haben Einfluss, und die Zukunft ist nicht nur eine düstere Schlagzeile.

Das Generationenbarometer 2025 zeigt: Drei von vier Befragten – unabhängig vom Alter – sagen, dass das Weltgeschehen zu ihrer Unzufriedenheit beiträgt. Das zeigt, wie dringend wir neue Narrative brauchen. Wir müssen nicht nur über Krisen sprechen, sondern auch über Lösungen, über Fortschritt, über Menschen, die etwas verändern.

Vielleicht höre ich nach den nächsten Ferien nicht mehr: «Frau Kägi, ich habe Angst.» Sondern: «Frau Kägi, ich hatte tolle Ferien! Aber wie sehen Sie die Weltlage aktuell?» Und dann können wir gemeinsam darüber sprechen – mit Wissen, mit Weitsicht, und mit Hoffnung.

Der Tössthaler, 14. März 2025
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Viviane Kägi

Co-Präsidentin GLP Bezirk Winterthur